Österreichischer Filmpreis: „Murer“ bester Film, viel Kritik an Regierung – Österreichischer Filmpreis – derStandard.at › Kultur

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„…So lange man etwas sagen darf, muss man jede Gelegenheit nutzen“, gab die gewohnt engagierte Filmemacherin in ihrer Dankesrede wie viele Preisredner die politische Tonalität des Abends vor. Ein Jahr nach der Angelobung der Regierung lasse sich konstatieren: „Die ÖVP ist von Waldheim auf Waldhäusl gekommen – vom Heim zum Häusl.“ Zugleich müsse man der Wahrheit ins Auge schauen: „Die Mehrheit der Österreicher hat diese Regierung gewählt und steht noch immer hinter ihrer menschenverachtenden Politik. Es soll nur nie irgendwer sagen, er hätte von nichts gewusst.“

Dass beim Österreichischen Filmpreis die Uhren anders ticken, hatte das Moderatorenduo Caroline Peters und Nicholas Ofczarek bereits zum Auftakt deutlich gemacht, beruhigte man doch die 77 Nominierten: „Nehmen Sie sich so viel Zeit für Ihre Dankesreden, wie Sie wollen.“ Man werde auch eine noch so „affenartig lange Danksagung“ nicht unbrechen, versuchte Peters die „waidwunden Rehe“ der nervösen Kandidaten zu beruhigen.

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) replizierte auf die Zeit und bat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in seiner Begrüßung, den Abspann bei österreichischen Filmen langsamer laufen zu lassen: „Das ist auch eine Frage des Respekts.“ Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) wiederum forderte „eine Zivilgesellschaft die aufsteht – früh aufsteht – und die Klappe aufmacht“. Diesen Appell – „Klappe Auf!“ – trägt auch eine im Vorjahr von den Filmemachern gestartete Aktion, die mittlerweile über 100 politische Kurzfilme auf ihrer Website klappeauf.at versammelt hat und in deren Namen Kameramann Gerald Kerkletz unter stehendem Beifall auf der Bühne zum Engagement gegen die türkis-blaue Regierung aufrief.

„Wir schwimmen auf der Titanic“

In dieselbe Kerbe schlug Martin Pollack in seiner statt des erkrankten Peter Simonischek vorgetragenen Gastrede: „In der nächsten Dekade kann alles passieren – sogar das Schlimmste. Wir schwimmen auf der Titanic.“ Noch sei Österreich nicht Polen oder Ungarn. Aber die FPÖ steuere in der Regierung in dieselbe Richtung. „So eine Entwicklung dürfen wir nicht hinnehmen“, forderte Pollack. „Wir dürfen uns an die Sprache der Niedertracht, der Zerstörung und des Hasses nicht gewöhnen…“

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