“..Ein Hallihallo mit eisernem Kreuz..“

https://www.zeit.de/kultur/musik/2019-02/andreas-gabalier-schlagersaenger-karl-valentin-orden-verleihung-kritik/komplettansicht

ein ausgezeichneter Artikel der Zeit.de über das wohl völlig “überbewertete Phänomen“

Andreas Gabalier

“..Kunstfreiheit ist hier nicht das Thema..“

“..Weniger respektvoll gegenüber kritischen Stimmen äußerte sich sein bekanntester Anhänger aus der politischen Welt, der österreichische Vizekanzler und FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache. In der Debatte um den Karl-Valentin-Orden zeige sich „pathologischer Hass gegenüber andersdenkenden Kunstschaffenden“, schrieb Strache auf Facebook und schloss mit dem pathetischen Ausruf: „Der Kunst ihre Freiheit. Freiheit der Kunst!“

Nun ging es bei der Kritik an der Verleihung des Karl-Valentin-Ordens ja nicht darum, dass jemand zensiert werden soll oder irgendwo nicht auftreten darf, sondern um die Frage, ob er einen bestimmten Preis verdient hat, der nach einem Künstler mit einer bestimmten ästhetischen und politischen Haltung benannt ist. Aber solche Fragen darf man wohl nach Ansicht des Gabalier-Anhängers Strache nicht stellen. Wer das tut, zeige seiner Ansicht nach „pathologische“ Symptome, das bedeutet laut Wörterbuch, er oder sie ist krank. Wer krank ist, sollte besser therapiert werden.

Und so lässt sich vielleicht auch die Frage beantworten, ob die von Andreas Gabalier und Heinz-Christian Strache eingeforderte Freiheit der Meinung und der Kunst in einer von ihnen als ideal angesehenen Gesellschaft auch für jene Menschen gilt, die eine andere Meinung als sie selbst haben und ein anderes Kunstverständnis. Es gibt Hinweise darauf, dass die Antwort „Nein“ lauten könnte. Die Verleihung des Karl-Valentin-Ordens an Andreas Gabalier findet am 2. Februar im Deutschen Theater in München statt. „Man soll die Dinge nicht so tragisch nehmen, wie sie sind“, hat der Namensgeber gesagt…“

“..Michael Köhlmeier kritisiert in Linz „kleine Schritte zum Bösen“ ..“

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“..Ein deutlich größerer Schritt zum Bösen sei schon getan, wenn ein Mitglied der Bundesregierung (Innenminister Herbert Kickl, FPÖ, Anm.) davon spreche, Menschen „konzentriert“ zu halten. Und ein nächster Schritt, wenn derselbe Mann sage, man müsse die Menschenrechtskonvention ändern und der „gegebenen Situation angleichen“ – was ja nur so zu verstehen sei, „dass künftig unterschieden werden soll zwischen solchen, für die die Menschenrechte gelten und solchen, für die nicht“, hielt der Literat fest…“

“..Der Puppenmeister..“

https://www.zeit.de/amp/2019/06/herbert-kickl-innenminister-fpoe-agenda-setting-medien-empoerung?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.twitter.ref.zeitde.share.link.x&__twitter_impression=true

“..Die Dramaturgie ist eigentlich ganz einfach: Herbert Kickl behauptet etwas, von dem er weiß, es werde bei der Opposition und den Medien einen Sturm der Empörung auslösen. Beim Koalitionspartner erzeugt er eine Mischung aus Verlegenheit und Distanzierung. Zuletzt gelang ihm das mit dem Hinweis, das Recht habe der Politik zu folgen und nicht die Politik dem Recht. Im gleichen Atemzug rüttelte er an der Europäischen Menschenrechtskonvention, die seiner Meinung nach eine „seltsame rechtliche Konstruktion“ aus den Fünfzigerjahren darstelle.

Der Innenminister steht damit wieder im Mittelpunkt – ganz im Sinne der Regel: „No news is bad news; any news is better“, besser eine negative Schlagzeile als gar keine. Kickl macht sich so selbst zum Thema.

Alle anderen spielen die Rolle, die ihnen Puppenmeister Kickl zugewiesen hat: ein um den Ruf Österreichs besorgter Bundespräsident, ein Justizminister, der mit dem Innenminister nicht übereinstimmt, ein Kanzler, der sich, zumindest ansatzweise, um Distanz bemüht. Die Kritik der Richtervereinigung, der mediale Sturm – das alles ist natürlich von Kickl einkalkuliert. Seine Zielgruppe ist ja nicht die politische Klasse. Seine Zielgruppe sind die, für die er einmal – noch als Jörg Haiders Wortschmied – formuliert hat: „Er“ (damals Haider, nun Kickl selbst) sage das, was „ihr“ euch denkt. Kickl provoziert nicht, er sucht bewusst die Empörung, die ihn in den Mittelpunkt stellt…“

Österreichischer Filmpreis: „Murer“ bester Film, viel Kritik an Regierung – Österreichischer Filmpreis – derStandard.at › Kultur

https://mobil.derstandard.at/2000097294795/9-Oesterreichischer-FilmpreisMurer-bester-Film

„…So lange man etwas sagen darf, muss man jede Gelegenheit nutzen“, gab die gewohnt engagierte Filmemacherin in ihrer Dankesrede wie viele Preisredner die politische Tonalität des Abends vor. Ein Jahr nach der Angelobung der Regierung lasse sich konstatieren: „Die ÖVP ist von Waldheim auf Waldhäusl gekommen – vom Heim zum Häusl.“ Zugleich müsse man der Wahrheit ins Auge schauen: „Die Mehrheit der Österreicher hat diese Regierung gewählt und steht noch immer hinter ihrer menschenverachtenden Politik. Es soll nur nie irgendwer sagen, er hätte von nichts gewusst.“

Dass beim Österreichischen Filmpreis die Uhren anders ticken, hatte das Moderatorenduo Caroline Peters und Nicholas Ofczarek bereits zum Auftakt deutlich gemacht, beruhigte man doch die 77 Nominierten: „Nehmen Sie sich so viel Zeit für Ihre Dankesreden, wie Sie wollen.“ Man werde auch eine noch so „affenartig lange Danksagung“ nicht unbrechen, versuchte Peters die „waidwunden Rehe“ der nervösen Kandidaten zu beruhigen.

Auch Wiens Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) replizierte auf die Zeit und bat ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz in seiner Begrüßung, den Abspann bei österreichischen Filmen langsamer laufen zu lassen: „Das ist auch eine Frage des Respekts.“ Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) wiederum forderte „eine Zivilgesellschaft die aufsteht – früh aufsteht – und die Klappe aufmacht“. Diesen Appell – „Klappe Auf!“ – trägt auch eine im Vorjahr von den Filmemachern gestartete Aktion, die mittlerweile über 100 politische Kurzfilme auf ihrer Website klappeauf.at versammelt hat und in deren Namen Kameramann Gerald Kerkletz unter stehendem Beifall auf der Bühne zum Engagement gegen die türkis-blaue Regierung aufrief.

„Wir schwimmen auf der Titanic“

In dieselbe Kerbe schlug Martin Pollack in seiner statt des erkrankten Peter Simonischek vorgetragenen Gastrede: „In der nächsten Dekade kann alles passieren – sogar das Schlimmste. Wir schwimmen auf der Titanic.“ Noch sei Österreich nicht Polen oder Ungarn. Aber die FPÖ steuere in der Regierung in dieselbe Richtung. „So eine Entwicklung dürfen wir nicht hinnehmen“, forderte Pollack. „Wir dürfen uns an die Sprache der Niedertracht, der Zerstörung und des Hasses nicht gewöhnen…“